
Längst assoziieren wir Pferdemenschen Lektionen wie das Steigen, den Spanischer Gruß und das Ablegen des Pferdes nicht mehr als Zirkustricks zur Unterhaltung Schaulustiger.
Dieses Vorurteil gehört zum Glück der Vergangenheit an, denn die Zirzensische Gymnastik hilft dem Pferd dabei gesund mobilisiert zu werden und ist vergleichbar mit Yoga bei uns Menschen. Die Levade beispielsweise stärkt die Hanken und der spanische Gruß öffnet die Schulter. Das Pferd lernt spielerisch gezielt Körperteile anzusteuern, was auf die Motorik und das Selbstbewusstsein des Tieres einzahlt. Darüber hinaus ist die Zirzensik hervorragend geeignet, um die Beziehungen zwischen Mensch und Pferd auf ein neues, vertrauensvolles Level zu heben. Man lernt sein Pferd einmal mehr zu lesen – und umgekehrt. Dies kann sich beim Spazierengehen, beim Reiten, auf Kursen, beim Verladetraining – überall bezahlt machen. Dabei arbeitet man auf mehreren Ebenen: Die Muskeln werden gestärkt, der Pferdekörper gelockert und der Geist belebt. Das gemeinsame Erarbeite von Neuem, gepaart mit positiven Emotionen, schafft eine tiefe Verbindung.
Pferde(lern)typen
Entscheidend für ein erfolgreiches Training ist das Pferd bezüglich der Lern -und Charaktertypen einzuschätzen. Hier einige Beispiele: Eher schüchterne oder ängstliche Tiere lieben regelmäßige Abläufe und sind schnell überfordert. Dann heißt es für den feinfühligen Menschen Ruhe auszustrahlen, viele Pausen zu machen, überschwänglich zu loben und feste Routinen einzuhalten, die dem Pferd Sicherheit geben. Selbstsichere Pferdchen, die sich schnell ablenken lassen, könnten über die Abwechslung motiviert werden. Bringe Spaß und Spannung in die Übung ein, mache öfter mal was Neues und bleibe klar. Du als Mensch bist ein Fels! Du gibst Sicherheit, du gibst Orientierung und da, wo Du stehst, darfst du auch Raum für Dich einfordern – höflich und fair. Auch hier ist loben und Freude versprühen ein Beziehungsbooster. Wichtig ist anzumerken, dass diese Typen auch verschwimmen können. Die grobe Einordnung soll nur als erster Überblick dienen. Gerne ordnen wir auch dein Tier ein, um für Euch als Pferd – Mensch – Paar die ideale Trainingsdidaktik herauszufinden.
Schreibe uns, dem Netzwerk Tiertherapie Mittelfranken, gerne für eine Analyse und einen physiologisch wertvollen Trainingsplan ganz auf Euch zugeschnitten.
Als Kontrollhilfe, ob ihr auf dem richtigen Weg seid, können folgende Marker helfen:
😊Ihr habt beide Spaß
😊Ihr baut eine tiefe Verbindung auf
😊Es fühlt sich zunehmend leicht an
Die wichtigsten Zutaten für ein wundervolles Training sind Verständnis, Geduld und ein positives Mindset: „Wir schaffen das als Team!“ Dein Pferd wird es lieben.
Mit welcher Übung beginnen?
Für einen gelungenen Start lohnt es sich die Basis der Bodenarbeit zu wiederholen. Stehen, anhalten, rückwärts richten, die Vorhand weichen lassen, die Hinterhand weichen lassen, Pausen machen. Klappt das? Wunderbar! Dann probiert Beine kreuzen. Das hilft der Balance des Pferdes, sieht süß aus beim Fotoshooting und ist leicht beizubringen. Das Pferd lernt auf deine Körpersprache zu reagieren, während diese Übung für die Koordination wertvoll ist. Außerdem öffnet das Pferd die Schulter und nimmt sein Gewicht nach hinten. Ein möglicher Weg wäre über das
Touchieren an der Schulter
Dabei gibt es verschiedene Intensitätsstufen.
1. Hindenken und/oder hinschauen
2. Gerte an die Schulter halten
3. Mit der Gerte Bewegung erzeugen, ohne die Schulter des Pferdes zu berühren,
4. Antippen
Wiederhole das Touchieren, sanft und mit Geduld, bis das Pferd einen ersten Impuls zeigt. Bei der kleinsten Reaktion in die richtige Richtung gilt es aufzuhören und zu loben. Macht eine Pause und freut euch über den Erfolg. Bald wird das Pferd verstanden haben, dass es z.B. das linke Bein über das rechte Bein stellen soll und so stehen bleiben. Es ist essentiell Kleinigkeiten wahrzunehmen und den Ansatz positiv zu bestärken. Du wirst feststellen, dass eine Seite leichter geht als die andere. Das hängt mit der Händigkeit des Pferdes zusammen. Ist das Pferd links hohl, dann hat es viel Gewicht auf dem Bein rechts vorne. Entsprechend schwerer fällt es ihm, das rechte Bein zu kreuzen, dafür geht es mit dem linken leichter. Spannend oder? Die Zirzensik hilft also auch dem Menschen das Pferd besser zu verstehen in Bezug auf seine körperlichen Voraussetzungen. Wenn ein Pferd eine Übung nicht ausführt, dann liegt es häufig daran, dass es dazu körperlich oder mental noch nicht in der Lage ist. Sei hier geduldig, mit Liebe und Verständnis klappt es ganz bald.